Webseite der Drehbuchautoren Eva und Volker A. Zahn

Fragen an Drehbuchautoren
Zum Thema Drehbuch fragten Fans und Interessierte und die Drehbuchautoren Eva Zahn und Volker A. Zahn antworteten. Vielen Dank, an dieser Stelle, an die Drehbuchautoren Eva Zahn und Volker A. Zahn!
Frage 1: Wie schwer ist es ein Drehbuch zu schreiben? Wie fängt man an und wie geht es weiter?
Antwort: Drehbücher zu schreiben, ist ein langwieriger und komplexer Prozess, weil es eine ganze Menge zu beachten gibt, insbesondere: Die Struktur des Buchs (wie baue ich Spannung auf, wo platziere ich die Wendepunkte, wann präsentiere ich Überraschungen), die Charaktere (was treibt die Personen an, wo sind ihre Schwächen und Stärken, welche Backstory haben sie, mit welcher Biografie sind sie ausgestattet, wie reagieren sie in Krisen-Situationen, welches Verhältnis haben sie zu ihren Mitmenschen), die Tatsache, dass aus dem Buch ein Film wird (wo kann ich Worte durch Bilder ersetzen, wie liefere ich den Schauspielern einen Stoff, den sie nicht nur aufsagen, sondern auch spielen können). Und im Fall der "Soko Leipzig" gilt natürlich: Wie bediene ich unsere Hauptdarsteller optimal, wie illustriere, pointiere und entwickle ich ihre Beziehungen zueinander, wie verschaffe ich zum Beispiel Hajo ein Highlight, ohne Jan, Patrick und Ina blass aussehen zu lassen? Und was man als Autor nie vergessen sollte: Film ist Teamwork! Also haben wir mit Redakteuren, Regisseuren und Produzenten klar zu kommen, wir müssen manchmal harte Kämpfe ausfechten und unsere Position verteidigen, wir müssen aber auch offen sein für Kritik und konstruktiven Input, wir müssen die Nerven behalten, wir müssen beim Entwickeln einer Story auch mal einsehen, dass wir uns verrannt haben – und dass es manchmal besser ist, die Geschichte dann lieber komplett in den Ausguss zu schütten, als verzweifelte Rettungsversuche zu unternehmen.
Frage 2: Ist es eigentlich schön Drehbuchautor zu sein und wie fühlt man sich?von Daniel Berger
Antwort: Drehbuchautor ist ein schöner Beruf, weil es Spaß macht, Geschichten zu erzählen und Figuren zum Leben zu erwecken, aber der Job ist auch eine sehr einsame Sache, bei der man gute Nerven und viel Disziplin braucht. Dafür genießen wir aber auch die Freiheit, unsere Zeit selbstständig einteilen zu können und an keinen festen Arbeitsplatz gebunden zu sein.
Frage 3: Kommt die UFA auf die Autoren zu, oder bewirbt man sich mit einer Idee einfach bei der Produktionsfirma ?
Antwort: Uns hat die UFA angesprochen, aber es ist nicht unüblich, dass man sich für eine Serie mit Exposés oder Ideen empfiehlt.
Frage 4: Da Sie auch die Folge "Hajo's Geheimniss" geschrieben haben, können Sie uns etwas zum Inhalt verraten? Wie entwickelt sich bis dahin die Figur Hajo Trautzschke?
Antwort: Über den Inhalt von Episoden, die noch nicht ausgestrahlt sind, d ürfen wir nichts verraten. Verraten können wir in Bezug auf "Hajos Geheimnis" allerdings, dass wir Interessantes aus der Vergangenheit unseres Helden erfahren - und dass ihm dieser Fall aus sehr privaten Gr ünden ganz besonders an die Nieren geht.
Frage 5: Wie oft müssen Sie ein Drehbuch umschreiben, bis es abgenommen wird? Und hält man sich dann auch stur an die vorgegebenen Texte ?
Antwort: Es gibt Filme, die auf der zehnten oder zwanzigsten Drehbuch-Fassung basieren, aber in der Regel ist man mit der dritten bis fünften Fassung im Ziel (wobei der Grad der Umarbeitungen sehr unterschiedlich ist: Manche Bücher laufen einfach so gut, dass in der zweiten und dritten Fassung nur noch entschlackt, pointiert oder anderweitig frisiert wird). Stur an die Worte halten sich die Schauspieler nicht immer, es gibt hin und wieder ein paar Satz-Umstellungen, um das Geschriebene mundgerechter zu machen, und in seltenen Fällen wird am Set auch improvisiert.
Frage 6: Hat man als Autor auch Einfluss auf die Besetzungen der Rollen ? (Natürlich sind hier nicht unsere Helden gemeint. Ist ja klar)
Antwort: Wir haben keinen Einfluss auf die Besetzung von Episoden-Rollen, machen aber Vorschläge.
Frage 7: Und mich würd' auch mal interessieren, wie die Zahns so auf ihre Ideen kommen?
Antwort: Wir sitzen vor dem Fernseher und sehen, wie eine Frau, der niemand etwas zugetraut hat, eine Million Euro in einem TV-Quiz
gewinnt. Als Krimiautor fragt man sich sofort: Was wird dieser Frau passieren, wenn sie die Million auf dem Konto hat? Welche Folgen hat dieser Gewinn für ihr Privatleben? Welche Bedeutung - jenseits der finanziellen - hat der Sieg im Millionen-Quiz für die Frau? Erkennt sie, dass mehr in ihr steckt, als sie und andere Menschen immer glaubten? Zieht sie daraus die Konsequenzen - und wer hat dann vielleicht das Nachsehen? Gedanken, die sich gut zu einem Krimidrama verdichten lassen und als Soko-Episode "Die Millionärin" in einen schönen Film mündeten. Ideen und Anregungen liegen also überall rum, man muss sie nur abgreifen: Mal eine Zeitungsnotiz, mal eine Begebenheit im Freundes- oder Bekanntenkreis, mal eine Anekdote… und im Fall der "Soko Leipzig" natürlich alles, was mit der Stadt zu tun hat und sich dramatisch aufarbeiten lässt: Die DDR-Vergangenheit, aktuelle soziale und politische Probleme, spezielle Milieus oder Schauplätze etc.pp.
Frage 8: Schreiben Sie eigentlich nur Krimis?
Antwort: Nein, wir schreiben auch für andere Genres: "Plötzlich berühmt" (ProSieben) war eine Komödie, "Kolle - Ein Leben für Liebe und Sex" (ARD) ein Biopic, "No Sex" (ZDF) eine Romantic Comedy, und zurzeit arbeiten wir an einem historischen Stoff und einem Jugenddrama. Mehr Infos zu unserer Arbeit unter »www.zahns.com
Frage 9: Hallo, schön das man hier Fragen stellen kann an die eigentlichen Macher der Serie. Ich wüsste gerne ob die Drehbücher von tatsächlichen Fällen der Polizei inspiriert sind - bzw. ob es von der Polizei da irgendwelche Hilfestellungen gibt.Von Kornelia Güthner
Antwort: Ja, manchmal steht die Realität Pate, zum Beispiel, wenn ein Kriminalfall eine Grundidee liefert, die man filmgerecht aufbereiten kann. Hilfestellung von Seiten der Polizei gibt es in Gestalt eines professionellen Beraters, der uns und anderen Machern der Serie mit seinem Fachwissen zur Verfügung steht.
Antworten von Eva Zahn und Volker A. Zahn








